Unter Gottes Schutz

Am Jahrestag, an dem Sri Chinmoy 7000 Pounds (ca 3500 kg) gehoben hatte, kamen einige Schüler auf die Idee, das Ereignis zu feiern, indem sie 7000 Kerzen in unserem New Yorker Meditations-Zentrum anzünden wollten. Der Boden war mit Tabletts aus Alu-Folie bedeckt, auf denen kleine, kurze Kerzen standen – 7000 Stück insgesamt. Die Wände und Pfosten waren voll mit Dekoration. Luftallons und farbige Dekorationen aus Krepp-Papier hingen von der Decke. Erwähnenswert ist noch, dass hundert oder mehr Schüler im Raum waren, die friedlich meditierten, als das Drama sich entfaltete. 

Als die Nachricht kam, dass Sri Chinmoy auf dem Weg zur Halle war, begannen ein Dutzend Schüler die Kerzen so schnell wie möglich anzuzünden. Dann kamen mehr und mehr Schüler um zu helfen. Innerhalb von Minuten wurde soviel Hitze geschaffen, dass die ganzen Kerzen schmolzen. Bald bildeten sich kleine Pfützen von geschmolzenem Wachs, mit kurzen Dochten, die das Feuer nährten. Noch immer zündeten die Schüler wie wild mehr Kerzen an. Sie wollten versuchen, alle Kerzen anzuzünden bevor Sri Chinmoy durch die Türe hereinkam. Die Halle wurde stickig und war voller Rauch. Die meisten Tabletts waren angezündet, bevor das erste Zeichen einer Gefahr auftauchte. Eines der Tabletts geriet außer Kontrolle. Wachs lief über den Boden. Das Tablett vor mir wurde zu einem Gefäß mit einer brennenden Flüssigkeit. Die Hitze war so groß, dass ich nicht mehr näher an das Tablett gehen konnte. Es bestand die Gefahr, dass sich die am Pfosten herabhängende Dekoration entzündete. Plötzlich ging auf der anderen Seite des Zimmers ein Tablett in Flammen auf; die Flammen schossen in die Höhe. Das Wachs hatte sich zu einem Punkt erhitzt, wo es keinen Docht mehr brauchte, um sich zu entzünden. Die Hitze vom Feuer genügte, um genügend Wachs zu verdampfen und um die Flammen zu nähren. Wir standen vor dem Ausbruch eines Infernos.

Panisch begannen die Schüler die Flammen auszublasen. Doch selbst als es uns gelang, einige Tabletts auszublasen, entzündeten sich die Flammen von neuem. Das Tablett vor mir explodierte erneut und die Flammen erreichten fast die Decke. Die Dekoration war von den Flammen eingeschlossen und bis zum heutigen Tag verstehe ich nicht, weshalb sie sich nicht entzündeten. Wie ich so am Boden entlang kroch, und die größtmögliche Anstrengung unternahm, die schlimmsten Tabletts auszublasen, sah ich, wie sich ein Schüler mit einem Eimer Wasser näherte. Ich wusste, dass man bei brennenden Flüssigkeiten niemals mit Wasser löschen darf, doch der Schüler kam zu schnell, als dass ich hätte reagieren können. Das Wasser traf das heiße Wachs und verspritze es überall auf dem Boden rund um den Pfosten mit der herabhängenden Dekoration. Das verspritzte Wachs explodierte sofort in einem Feuerball rund um den Pfosten. Wir befanden uns nun in einer ernsthaften Lage. Ich blies weiter aus, soviel ich nur konnte und ich betete, betete und betete. Mir wurde schwindlig vom vielen Ausblasen und ich jagte die Flammen im Kreis, ich blies sie hier aus und dort entflammten sie sich wieder neu. Doch erstaunlich war, als ich die Flammen um den Pfosten aus blies, entzündeten sie sich nicht mehr.

Zu der Zeit hatten die Schüler die meisten Kerzen ausgeblasen. Die Leute husteten und hatten Atemprobleme durch den Rauch; man lief in großer Verwirrung und Angst umher. Einige suchten nach Feuerlöschern, doch man fand nur einen kleinen. Der Raum war drückend heiß und von Rauch erfüllt. Dann erschien Sri Chinmoy an der Hintertür. Die meisten von uns waren unter Schock. Sri Chinmoy stand hinten im Raum ohne ein Wort zu sagen – er schaute sich nicht um, er meditierte nur. Ich fragte mich, ob wir die Feierlichkeit in eine Katastrophe verwandelt hatten. Ich rannte nach hinten, um ein Fenster aufzumachen, damit frische Luft hereinkommt. Doch die Luft außen war totenstill. Wir hatten zwei kleine Fenster geöffnet, aber es kam keine frische Luft herein, noch ging Luft hinaus. Doch innerhalb von zwei Minuten klärte sich der Rauch, die Temperatur ging auf Normaltemperatur zurück und die Angst verschwand. Sri Chinmoy ging nach vorne zur Bühne und wir fuhren mit den Feierlichkeiten fort, als ob sich nichts Ungewöhnliches ereignet hätte. Und ich wusste, dass wir alle Zeugen eines Wunders waren.

- Noivedya Brower, Australien

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