Unerwartete Belohnung von Sri Chinmoy

Es war ein sonniger Frühlingstag im April und ich war – so wie jedes Jahr – zu diesem Zeitpunkt in New York, um an den Feierlichkeiten zu Sri Chinmoys Jahrestag seiner Ankunft in den USA teil zu nehmen. Ich hatte an diesem Tag einen schönen Platz weit vorne ergattert und saß entspannt da und genoss mein Dasein. In so einem meditativen Umfeld ist das auch immer viel einfacher als zuhause. Sri Chinmoy war anwesend und mit diversen Dingen beschäftigt. Aus seiner Aktivität wurde er jedoch auf einmal herausgeholt, als einer der Schüler ein großes Tablett mit runden braunen Süßigkeiten brachte, eine ziemlich große Anzahl. Anscheinend hatte irgendjemand Geburtstag und Sri Chinmoy nutzte sofort die Gelegenheit, die Süßigkeiten zu verteilen – in Indien nennt man eine solche gesegnete Nahrung “Prasad”.
Er rief verschiedene Singgruppen und auch vereinzelt Personen auf. Ich beobachtete die Szene ruhig und immer noch zufrieden mit meinem Dasein, bis mir auf einmal auffiel, dass das früher anders war. Da war ich nicht so entspannt wie in diesem Augenblick. Nein, früher hätte ich auch so gerne eines von den Dingen gehabt, die der Meister verteilt und die offensichtlich nicht für alle 1000 anwesenden Personen ausreichten, so dass er sie nur an ein paar wenige Personen verteilte. Ich erinnerte mich gut, wie schlecht ich mich früher gefühlt hatte, erstens, weil ich nicht zu den „Auserwählten“ gehörte, zweitens, weil ich mich zu gierig fühlte und drittens, weil ich damals noch dachte, man ist sicher ein schlechter Schüler, wenn man keines kriegt. Alles dummes Zeug, aber der Verstand kann einem schon echt spannende Dinge einreden. Vor allem das Gefühl der Unwürdigkeit hat mir früher oft zu schaffen gemacht. Doch an diesem Tag war es tatsächlich völlig anders. Ich WUSSTE einfach, dass ich nicht zu den Personen zählte, die eine Süßigkeit aus Sri Chinmoys Hand bekommen würden, und es war vollkommen in Ordnung, so wie es war. Ich freute mich sogar noch mit den Leuten, die eine bekamen und war gespannt, wer wohl als nächstes in den Genuss kam. Und durch diese Freude und auch die Freude über meine Erkenntnis und meine kleinen durch Meditation erlangten Errungenschaften schien sich in diesem Augenblick meine Freude noch zu vergrößern. Etwas, was man kaum für möglich hält, aber Zufriedenheit lässt sich nochmal steigern und so war ich tief in dieser Freude und ein Gefühl von inniger Dankbarkeit machte sich breit, einfach WOW. 

Und dann geschah etwas, mit dem ich nicht im Traum gerechnet hätte. Sri Chinmoy hatte mittlerweile wirklich sehr viele von diesen Süßigkeiten verteilt, aber es waren immer noch recht viele übrig, als er auf einmal sagte: „Girls, who did not tell a lie for a month kindly come and take“. Ich saß kurz wie vom Donner gerührt da und konnte es erst gar nicht glauben. Sri Chinmoy hatte unter anderem mich gerufen. Ich wusste genau, dass ich keine Lügen erzählt hatte, und keine zwei Minuten später stand ich vor Sri Chinmoy, um mir eine dieser herrlichen Süßigkeiten zu nehmen. Wie gesagt, Zufriedenheit lässt sich steigern – manchmal ins schier Unermessliche. Vielleicht könnt Ihr meine Freude nachspüren, als ich andächtig diese Leckerei in Händen hielt und mir dachte, wenn der Meister Dir etwas geben möchte, dann findet er Wege, es zu tun und es ist immer gut so wie es ist. Insgesamt war das wie eine Belohnung dafür, dass ich zuvor so entspannt und zufrieden war – eine Belohnung, die ich an sich gar nicht mehr gebraucht hätte. Aber sie hatte mir wieder einmal gezeigt, wie sehr Sri Chinmoy immer noch eines „drauflegen“ konnte, vor allem, wenn man gar nicht mit irgendetwas rechnet.

-Abhilakshati, München/Photo: Kedar

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