Ein ganz besonderer Geburtstag

Wann immer es mir möglich war, versuchte ich meinen Geburtstag bei meinem spirituellen Meister Sri Chinmoy in New York zu verbringen. Etwa gegen neun Uhr morgens, am 21. November 2004, ging ich bei Sonnenschein zum sogenannten “Aspiration-Ground”, einer parkähnlichen Anlage, in der jedes Jahr Meditationsschüler von Sri Chinmoy aus aller Welt zusammenkommen. Als ich dort eintraf, kam gleich einer der Wächter auf mich zu und fragte, ob ich nicht die Tonanlage auf dem bedienen könne, da von den anderen Tontechnikern keiner anwesend sei. Ich antwortete: “Welch eine Frage, natürlich, gibt es etwas Schöneres, als meinem Meister an diesem Ort dienen zu können?” Ich schwebte im siebten Himmel, kam recht schnell in einen wunderbaren meditativen Zustand und war sehr glücklich. Rund eine Stunde später traf dann auch Sri Chinmoy ein. Er setzte sich in seinen Stuhl und meditierte kurz auf alle Anwesenden. Danach las er etwas, telefonierte und gratulierte einigen langjährigen Schülern zu ihrem Geburtstag. Anschließend bat Sri Chinmoy darum, dass Prasad (gesegnete Nahrung) gebracht werden sollte. Mein Meister las die so genannte Prasadliste vor, auf der vermerkt war, was, von wem und weshalb als gesegnete Nahrung gespendet worden war. Plötzlich sagte er: “Werner, Geburtstag”, um dann kurz inne zu halten. Danach fragte er mich: “Wie lange bist du schon auf diesem spirituellen Weg?” Ich befand mich etwa 30 Meter entfernt und schrie deshalb zurück: “15 Jahre, Guru.” Aber Sri Chinmoy wiederholte seine Frage noch einmal: “Wie lange?” Und ich antwortete noch einmal: “15 Jahre, Guru.” Daraufhin bat mich mein Meister noch vorne zu sich. Ich sprang unverzüglich auf und ging auf ihn zu. Mir kam in diesem Moment in den Sinn, dass Sri Chinmoy einmal gesagt hatte, dass, wollten wir wirklich etwas aus tiefster Seele heraus tun, wir drei tiefe Atemzüge machen sollten und uns dabei jene Qualität vorstellen, die wir einatmen möchten. So versuchte ich also mein “bestes Bewusstsein” einzuatmen. 

Vorne angekommen lächelte mich Sri Chinmoy an und meditierte auf mich. Ich fühlte mich, als würde ich davon fliegen und in einer mit Glückseligkeit gefüllten Wanne landen. Anschließend fragte er mich, ob ich auch an der alljährlichen Weihnachtsreise teilnehmen würde, die er zusammen mit vielen Schülern, jedes Jahr in die fernsten Länder führte. Ich antwortete mit ja, woraufhin er eine kurze Pause machte. Dann sagte er etwas, was mich zutiefst bewegte: “Dort werde ich dir einen spirituellen Namen geben.”

Mir standen die Tränen in den Augen. Mein Meister fragte mich noch: “Kennst Du Sumadhur?” (ein langjähriger, enger Schüler). “Ja, Guru”, anwortete ich. “Wenn du auf unserer Weihnachtsreise bist, sage ihm, er solle mich daran erinnern, dir einen spirituellen Namen zu geben”, sagte mir Sri Chinmoy abschließend, bevor er mir zu verstehen gab, dass ich auf meinen Platz zurück gehen soll. Ich drehte mich um und ging zurück zur Tonanlage. Mitten auf dem Rückweg hörte ich ihn über Lautsprecher sagen, “Vergiss nicht, dies Sumadhur zu sagen”. Alle Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus. Welch ein Geburtstag! Am 6. Januar 2005 erhielt ich dann meinen spirituellen Namen “Mohan”, der übersetzt ungefähr bedeutet: Dienen und Strebsamkeit.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Comments are closed.