Gott hört alle Gedanken, aber nur selten reagiert Er äußerlich

Als Kind liebte ich die Schwarz-Weiß-Filme von Don Camillo und Peppone. Don Camillo, der italienische Pfarrer, pflegte in seiner Kirche mit Jesus am Kreuz zu sprechen oder diesen wie eine reale lebende Person zu behandeln; so versteckte er zum Beispiel einen Stock, mit dem er jemanden verprügeln wollte, hinter seinem Rücken, als er durch seine Kirche eilte. Aber Gott ertappte ihn natürlich und sprach ihn als Jesus immer wieder mit seiner warmen, tiefen Stimme an…
Auch auf unserem Weg hatten wir manchmal ähnliche Erfahrungen. Sicher reagiert das Göttliche immer auf all unser Verhalten, üblicher Weise jedoch in mystischer und uns unerkenntlicher Weise. Manchmal aber sogar äußerlich… 

Ein spiritueller Weggefährte von mir, der gleichzeitig mit mir Schüler von Sri Chinmoy geworden war, saß einmal zusammen mit vielen anderen Schülern am Tennis Court, einem Areal in New York, auf dem sich hunderte Schüler mit dem Meister trafen. Er durchlief gerade eine spirituelle Krise und hing so sehr seinen eigenen Gedanken nach, dass er gar nicht den Worten seines Meisters folgte, der schon einige Zeit lang mit gesenkter Stimme sprach. Irgendwann kam ihm schließlich der Gedanke in den Sinn, er könne den spirituellen Weg ohnehin jederzeit verlassen… In diesem Moment hörte er Sri Chinmoy aus dem Lautsprecher schreien: „Aber gebt nicht auf! Gebt nur nie auf! …“ Mein Freund empfing die Botschaft und ist jetzt, 17 Jahre später, immer noch auf dem Weg.


Ein anderer guter Freund war in New York auf Besuch und saß gerade beim Frühstück, als er unerwartet zu Sri Chinmoy ins Haus gerufen wurde. Er hatte sehr salzig und scharf gefrühstückt, war aber noch nicht zum Trinken gekommen. So wurde er im Haus seines Meisters bald recht von Durst geplagt. Als wiederholt der Wunsch nach einem Getränk seine Gedanken durchkreuzte, winkte Sri Chinmoy eine dort anwesende Schülerin herbei und flüsterte ihr etwas zu. Kurz später brachte sie ein Tablett mit verschiedenen Getränken zu meinem Freund. Wenig später entwickelte sich zwischen Sri Chinmoy und dem Schüler ein Gespräch. Dabei tauchte für den Bruchteil einer Sekunde eine Frage im Kopf des Schülers auf, die rein weltliche Belange betraf. Er verwarf sofort den Gedanken, mit derlei unwichtigen Dingen wollte er den Meister nicht befassen. Aber im nächsten Augenblick sprach ihn der Meister schon auf exakt diese Angelegenheit an und gab ihm genaue Anweisungen.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich noch ein neuer Schüler war und bei einem meiner ersten Besuche in New York bei den alljährlichen „Celebrations“ – Feierlichkeiten zu Sri Chinmoys Geburtstag – teilnahm, kam in mir wiederholt der Gedanke auf, dass hier zu viel Tennis gespielt wurde, dass man hier zu viel Zeit Beschäftigungen nicht streng spiritueller Art widmete, wie Zirkusveranstaltung, sportlichen Veranstaltungen, Parade usw. Nach meinen damaligen, naiven Vorstellungen kam die stille Meditation zu kurz – ich hatte einfach gewisse Klischees im Kopf und der Weg entsprach nicht diesen – ich war eben spirituell noch völlig unreif. Das beschäftigte mich so lange, bis eines Tages Sri Chinmoy sagte: „Ich möchte nun etwas zu denjenigen sagen, die behaupten, hier würde nicht genug still meditiert…“ Nach seinen Erläuterungen war mein Kopf wieder klar.

In den frühen Jahren greift man als Sucher noch ein wenig nach den Sternen und ich hatte das unstillbare Verlangen, den Zustand des Samadhis zu erfahren, so wie er in den Büchern Sri Chinmoys beschrieben wird. Unglücklicher Weise wollte sich dieser Zustand trotz all meiner Bemühungen nicht einstellen. Ich war schon recht frustriert und empfand es als unschön, dass in den Büchern so eindrucksvoll beschrieben wird, was für herrliche Erfahrungen auf jeden von uns warten, dabei die Früchte der Meditation jedoch so hoch zu hängen schienen, dass man sie nie erreichen konnte. Nicht lange nachdem diese Gedanken immer wieder durch meinen Kopf gingen, befreite mich Sri Chinmoy von meinen Kümmernissen. Er sprach plötzlich ins Mikrophon: „Einige von euch sehnen ungeduldig die Erfahrung von Samadhi herbei, aber…“ und dann gab er einen wunderschönen „Talk“ über die verschiedenen Samadhis, die Sri Chinmoy in der Folge auch selbst hintereinander demonstrierte und er erklärte uns dann, dass diese Erfahrungen eben erst zu Gottes auserwählter Stunde kommen können. Geduld ist auch eine wichtige Tugend…

Ein anderes Mal viele Jahre später ging Sri Chinmoy sogar auf einen ganz und gar kindischen Gedanken in meinem Kopf ein. Sri Chinmoy hatte dem Meditationszentrum in Wien einen Besuch abgestattet. Er ging gerade das Stiegenhaus hinunter, um wieder zum Auto zu gelangen und ich folgte ihm unmittelbar. Da passierte er eine Stelle, wo alle Bilder entfernt worden waren. Zuvor hatte ich dort ein Bild aufgehängt, auf dem Sri Chinmoy in einem Zustand der Glückseligkeit der göttlichen Wonne abgelichtet war. Ich war für die Errichtung des Zentrums in dieser alten Fabrik verantwortlich gewesen und hatte meine ganze Energie da hinein gesteckt. Dieses lächelnde Bild sollte, das war meine Absicht, den Schülern wie ein Kompass zeigen, wohin es ginge, wenn man hier zum Meditationssaal hinaufging. Es war mir sehr wichtig. Umso mehr empörte es mich, als man dann das Bild gegen meinen Willen entfernt hatte. Daher dachte ich in diesem Moment: „Guru schau, sie haben mir mein Lieblingsbild, das lächelnde Bild, einfach weggenommen…“ Kaum war dieser unwichtige Gedanke fertig gedacht, als Sri Chinmoy, die Verkörperung der Anteilnahme und des Mitleides, stehen blieb und exakt auf die Stelle auf der weißen, neu ausgemalten Wand zeigte, wo ehemals das Bild gehangen ist, und sagte: „Hier muss ein lächelndes Bild aufgehängt werden, ich möchte hier ein lächelndes Bild!“ -Dr. med. P. Arthada, Wien

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