Über Leben und Tod

Eine gemeinsame Reise mit einer Gruppe von Disciples ist für mich immer ein Höhepunkt, besonders während unserer jährlichen Weihnachtsreise, die uns zu den entferntesten Orten in der Welt brachte. Im Januar 2002 besuchten wir Sabah, einen wenig bekannten Teil von Malaysia. Während dieses Aufenthalts fuhren wir mit einer alten Dapfeisenbahn. 

Am Bahnhof, ausserhalb von Kota Kinablu, begann ich die holzbetriebene Maschine zu filmen. Die Arbeiter der North Borneo Eisenbahn haben in ähnlicher Weise das Holz verbrannt, wie ich es in meiner Bäckerei Ecstasy-Sky in Zürich jahrelang tat. Filmen ist für mich eine Leidenschaft. Als sich der Zug in Bewegung setzte, war es mein Ziel, über die Reise zusammen mit meinem Guru und die vorbeiziehenden Ladschaften zu berichten. Ich ass meinen Lunchbag und begann von meinem kleinen Klapptisch aus zu filmen. Dann begab ich mich zu einer der Türen, die bei dieser alten Zugsformation auch beim Fahren offen blieben und

begann die vorübergeheneden Szenen von lachenden Kindern und metallenen Brückenpfeilern mit meiner Videokamera einzufangen. Nach einer kurzen Pause an der Endstation in Putatan fuhr der gleiche Zug in entgegengesetzter Richtung wieder zurck in Richtung Ursprungsbahnhof. Erneut nahm ich die Gelegenheit wahr, um von den Treppenstufen der offenen Tür aus zu filmen. Insbesondere wollte ich einen buddhistischen Tempel aufnemen, den ich auf der Hinreise nur kurz gesehen hatte.

Ich stand auf der untersten Treppenstufe der Türe und wollte gerade zu fimen beginnen, als ich plötzlich das Gleichgwicht verlor und aus dem Zug stürzte. Dank der Präsenz meines Meisters, der sich mit uns im gleichen Zug befand, landete ich


auf meiner rechten Seite und überlegte zum Glück den Sturz. Es hätte weit schlimmer ausgehen können. Als ich mich nach einem kurzem Blackout auf dem Boden neben dem Geleise befand, dachte ich zuerst, dass ich geträumt hätte und wollte mich zwingen, wieder aufzuwachen. Aber es war kein Traum. Mein rechter Arm schmerzte, mein Atem ging kurz und ich konnte den um mich versammelten Dorfbewohner kaum sagen, was passiert war. Glücklicherweise eilten zwei meiner Disciple-Freunde, Sanjay und Prabhuddha zu mir, nachdem der Zug notfallmässig angehalten hatte. Auch das war nicht so leicht, denn ein Damfzug braucht einige Hundert Meter, um zu bremsen und zuerst musste der Zugführer informiert werden, was auch nicht

leicht war. Nachdem ein paar wenige der Gruppe bemerkt hatten, dass ich plötzlich verschwunden war, kletterten sie über die Lokomotive, um zum Zugführer zu gelangen. Nun sass ich auf einer kleinen hölzernen Brücke, welche die Häuser mit dem die Schienen überquerenden Weg verband und suchte nach meinem rechten Arm, den ich nicht mehr fand. Schliesslich griff ich mit meiner intakten linken Hand nach rechts und suchte nach dem Arm, der ganz nach hinten ausgerenkt war Ich versuchte ihn wieder in Normallage zu bringen. Dann realisierte ich, dass es doch ernsthafter war, als zuerst angenommen. Zum Glück konnte ich noch meine rechte Hand bewegen, aber der ganze Arm inklusive Schulter war recht havariert. Ich chantete das Mantra “Supreme” so schnell ich konnte und Sanjay ermutigte mich später im Auto das uns mitgenommen hat, die Geschwindigkeit des Chantens noch zu erhöhen. Ich wollte nicht sterben und war der festen Ueberzeugung, dass mir mein Guru beistehen würde. Eine meiner Rippen hatte meine rechte Lunge punktiert.

Unser erstes Ziel war das staatliche Krankenhaus in der Stadt. Dort schien aber niemand mir Beachtung zu schenken und wir entschlossen uns auf Anraten unseres Gruppenarztes Meghabuti (Bild rechts), dass wir unverzüglich wieder ein Auto besteigen und ein privates Spital aufsuchen sollten; es war das Sabah Medical Center. Dort betreute mich ein sehr freudlicher Chirurg mit chinesischer Ausbildung. Er machte die erste Notoperation, um meine Lunge mit Hife eines Röhrchens wieder aufzublasen. Dies war der entscheidende Moment meines Überlebens und nur durch die innere Hilfe meines Gurus normalisierte sich mein Atem wieder. Nach weniger als drei Tagen konnte der Lungenschlauch entfernt werden. Dies war ein besonders kritischer Moment. Auch dieser Eingriff verlieg erfolgreich. Mein rechter Arm war beim Fall gequetscht worden, die Schulter gebrochen und die Sehne angerissen. Am nächsten Morgen wurde der Knochen mit Hilfe einer Metallplatte wieder stabilisiert. In der Tat realisierten die Aerzte erst ein halbes Jahr später in der Schweiz, dass die Sehne gerissen war, als sie das Plättchen entfernten.

Meine Frau Nirmala erzählte mir später, dass ich nach der Operation im Spitalbett meine Hände faltete und das Lied “My own Gratitude” sang. Dankbarkeit ist immer noch das passendste Wort, meine Gefühle zu beschreiben. Ich freue mich, dass ich ein neues Leben erhalten habe und dass ich fortfahren kann, das Licht von Sri Chinmoy zu manifestieren. Unnötig zu sagen, dass meine schon enge Beziehung zu meinem Guru eine neue Dimension erhielt. Ich möchte auch all meinen Disciple-Freunden aus aller Welt danken, die für mich gebetet haben und mich willkommen hiessen, als ich nach einer Woche Spitalaufenthalt ins Nexus Resort Hotel zurückkehrte. Sri Chinmoy selbst hatte das Hotel schon einen Tag vorher verlassen, denn es war das offizielle Ende der Reise. Ich musste noch einige Wochen in Sabah bleiben, da die Aerzte eine Flugreise mit den damit verbundenen Druckunterschieden als unverantwortlich erachteten. Ich versuchte meine zum Teil sehr starken Schmerzen mit Videoschnittarbeiten am Computer und Spaziergängen am Meer zu vergessen. Zwei Monate später hat mich Sri Chinmoy während meines Besuches in New York persönlich gesegnet. Er wusste, dass es bei mir um Tod und Leben ging.

(Publiziert im Buch Buch “Mitleids-Wunder”, Teil 5, 2004, The Golden Shore Verlag, Nürnberg)

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One Response to Über Leben und Tod

  1. Great! thanks for the share!